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Bananen in Ecuador

12. 5. 2004 - Natalia Landivar

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<b><i>1. Beschreibung der Situation</i></b>
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Ecuador ist heutzutage der grö&szlig;te Bananenexporteur der Welt. Im Jahr 2000 exportierte Ecuador ungefähr 28% aller weltweit exportierten Bananen. Nach dem Erdöl sind Bananen die am meisten exportierten Güter und erbringen jährlich Einnahmen in Höhe von 900 Millionen US$. Die Exporte gehen hauptsächlich in die USA und die EU.
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In den siebziger Jahren zogen sich die Multis aus Zentralamerika zurück und machten Ecuador zu einem ihrer wichtigsten Lieferantenländer. Um die Produktivität zu steigen, schloss die Standard Fruit Company (heute Dole) fünfjährige Verträge mit gro&szlig;en Bananenproduzenten ab, worin diese sich verpflichteten, Bananen nur an die Standard Fruit Company zu liefern.
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Diese Methode wird bis heute eingesetzt. Die drei grö&szlig;ten Bananen-Multis (Chiquita, Dole und Del Monte) besitzen keine oder wenige Ländereien in Ecuador. Diese transnationalen Fruchtkonzerne und die gro&szlig;en inländischen Exporteure schlie&szlig;en verschiedene Verträge mit ihren festen Lieferanten ab, von denen sie regelmä&szlig;ig die Bananen ankaufen. Darüber hinaus kaufen sie Bananen sporadisch von anderen Lieferanten an, an die sie sich bei gesteigerter Nachfrage auf dem Weltmarkt wenden. Das hei&szlig;t, hier werden keine Verträge abgeschlossen. 70% der Bananenproduzenten sind Kleinbauern, 20% sind mittelgro&szlig;e Produzenten und 10% sind gro&szlig;e Firmen. Allerdings kontrollieren die wenigen Gro&szlig;en etwa Dreiviertel der Flächen und der Produktion (Aktuell, Banafair).
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Diese Produktionsmethode hat dazu beigetragen, dass sich gro&szlig;e Ungerechtigkeit in die Bananenindustrie verfestigt hat. Zum einen üben die Bananenexporteure eine absolute Macht aus, indem sie die Ankaufspreise allein festsetzen. Kleinbauern, die auf relativ kleinen Landstücken Bananenstauden anpflanzen, können ihre Produkte nur über Zwischenhändler auf den Weltmarkt bringen. Sie haben keinen Überblick über das Marktgeschehen und sind dem Preisdruck des Weltmarktes gnadenlos ausgeliefert. Für ihre Produkte erhalten sie häufig weniger Geld als sie für den Anbau aufbringen müssen.
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Zum anderen übertragen die gro&szlig;en Bananenexporteure die Konflikte über Arbeitsrecht und Arbeitsbedingungen auf ihre Lieferanten. Sie lehnen ab, ihrer Verantwortung für die Förderung besserer Arbeitsbedingungen auf den Plantagen nachzukommen, da sie die Bananen zwar von dort beziehen, ihnen die Plantagen aber nicht gehören.
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Kinderarbeit ist auf Bananenplantagen sehr üblich. Weil die Löhne von zwei Erwachsenen meistens nicht ausreichen, um eine ganze Familie zu ernähren, wird zusätzlich der Lohn eines Kindes gebraucht. Nach einer Studie vom Human Rights Watch, in der 45 Kinder ihre Arbeitsbedingungen auf Bananenplantagen beschreiben, muss die Kinderarbeit nach dem Abkommen der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) auf den Bananenplantagen unter &ldquo;den schlimmsten Arten der Kinderarbeit&ldquo; eingestuft werden.
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Nach Angaben des Ausschusses für Gewerkschaftsfreiheit der ILO zählt Ecuador zu den fünf Ländern auf der Welt, in denen Gewerkschaftsrechte am meisten verletzt werden. Seit Jahrzehnten gibt es keine unabhängigen Bananen-Gewerkschaften mehr. Das Fehlen von Gewerkschaften hat Ecuador zum grö&szlig;ten Bananenexporteur der Welt gemacht. Weil die Produktionskosten niedrig gehalten werden können, werden Bananen aus Ecuador auf dem Weltmarkt am billigsten angeboten. Die Arbeiter auf den Plantagen haben Angst sich zu organisieren, weil die häufigste Antwort auf Gewerkschaften Entlassungen sind (Rebelion, Ecuador: Esclavos del banano).
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<b><i>2. Eingesetzte Instrumente und wichtige Akteure der Bananenindustrie scheitern</i></b>
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Die Bananenexporteure behaupten, dass sie juristisch nicht in der Lage sind, bessere Arbeitsbedingungen auf den Plantagen zu verlangen, von denen sie Bananen ankaufen. So wird ein beschlossener Verhaltenskodex als Selbstverpflichtungen der Firmen, auf sozialgerechte Produktion wert zu legen, zu einem nutzlosen Instrument, um für mehr Gerechtigkeit auf den Bananenplantagen der Lieferanten zu sorgen.
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Ebenso wenig gewährleisten die Handelsbeziehungen Ecuadors mit den Vereinigten Staaten und mit der EU Gerechtigkeit auf den Plantagen. Nach dem Handelsabkommen der WTO kann ein Mitgliedstaat die Produkte eines anderen Landes nur unter einem regionalen Handelsabkommen oder unter einem besonderen Handelsabkommen für Entwicklungsländer unter besonderen Bedingungen einführen. Au&szlig;er diesen Ausnahmen besagen die Artikel I und XII des Allgemeinen Zoll und Handelsabkommen (GATT), dass die Produkte aller Mitgliedsstaaten gleich behandelt werden sollen. Auf dieser Weise bleibt für die Vereinigten Staaten und die EU wenig Spielraum, die Bananenimporte aus Ecuador aufgrund von Arbeitsrechtsverletzungen zu beschränken.
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<b><i>3. Fairer Handel: Wende in Richtung Gerechtigkeit</i></b>
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Die Bananenindustrie bringt riesige Gewinne für transnationale Fruchtkonzerne mit sich aber, da sie auf Menschenrechtsverletzungen basiert, langfristig hohe soziale Kosten für Ecuador. Die Bananenproblematik weist auf ein starkes strukturelles Problem in Ecuador hin. Fairer Handel mit Bananen ist bestrebt, kurzfristig die Rechte der kleinen und mittleren Produzenten sowie der Plantagearbeiter zu schützen und langfristig eine strukturelle Veränderung in der Bananenindustrie zu ermöglichen.
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Es gibt zwei Wege, den fairen Handel mit Bananen in Europa zu fördern. Zum einen durch politischen Druck auf die EU durch Nichtregierungsorganisationen verschiedener europäischer Länder. Die Bananen-Kampagne ist ein Bündnis entwicklungspolitischer NROs, das sich im Jahr 1993 gebildet hat und auf eine entwicklungspolitisch sinnvolle Reform der europäischen Marktordnung zielt. Gemeinsam mit dem europäischen NRO-Netzwerk zum Bananenhandel EUROBAN plädiert die Bananen-Kampagne für Zollbestimmungen, nach denen die Einnahmen in eine sozial- und umweltverträgliche Produktion reinvestiert werden, um die benachteiligten Kleinproduzenten zu fördern.
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Der zweite Weg ist die kommerzielle Strategie. Pionier im fairen Bananenhandel ist in Deutschland der Verein Banafair, der Bananen von Kleinproduzenten in Ecuador, der Karibik und Costa Rica importiert und vertreibt. Voraussetzung für die Zusammenarbeit ist, dass bei der Produktion soziale Mindeststandards eingehalten werden, die durch die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) vorgegeben sind. Dazu zählen unter anderem das Verbot von Kinderzwangsarbeit oder soziale Absicherung der Arbeiter. Banafair vertreibt die Produkte in Weltläden, Naturkostläden, Kirchengemeinden und an interessierte Einzelhändler und macht die Verbraucher in Deutschland durch Bildungsarbeit und Kampagnen auf die problematischen Produktions-Bedingungen herkömmlicher Bananen aufmerksam.
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Seit 1998 vermarktet Banafair Bananen der Kleinbauernvereinigung UROCAL aus Ecuador. UROCAL ist die &bdquo;Regionale Union der Bauernorganisationen der Küstenregionen in Ecuador&ldquo;. Diese Bauernfamilien gehören zu den ca. 5000 Kleinbauern im Land, die etwa 60% der gesamten Bananenproduktion liefern. Durch einen besseren Preis und eine langfristige Zusammenarbeit soll die Arbeits- und Lebensbedingung der KleinproduzentInnen verbessert werden. Ein weiteres Ziel von UROCAL ist die Ökologisierung der Produktion, d.h. bei der Produktion auf giftige Unkraut- und Insektenvernichtungsmittel zu verzichten: UROCAL produziert Bio-Bananen, die nach der EU-Bio-Verordnung durch BCS und vom Anbauverband Naturland zertifiziert sind.
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Ein Teil der Banafair-Bananen wird von 14 Familien in dem kleinem Ort Las Palmas angebaut. Au&szlig;er einer Schule, einer Kirche und einem Kiosk gibt es dort keinerlei Infrastruktur. Die Ausstattung der Familien mit elektrischem Strom, Trinkwasser und sanitären Anlagen ist unterschiedlich und nicht immer vorhanden. Vor dem Hintergrund der wirtschaftliche Krise in Ecuador und den schlechten Preisen der konventionellen Aufkäufer bedeutet der Handel mit Banafair oft die einzige stabile Einnahme dieser Familien.
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In<u> </u><a href="#author1">[Author ID1: at Tue Feb 4 22:22:00 2003
]</a>Ecuador gibt es für Bananen ein staatliches Mindestpreissystem, das den Bauern knapp 2,90 Dollar pro Karton garantieren soll. Die Exportfirmen halten sich jedoch häufig nicht daran und zahlen 1 Dollar oder weniger pro Karton. Die UROCAL Bauern erhalten dagegen von Banafair 5 Dollar pro Kiste Bananen. Insgesamt ist dies für die ProduzentInnen im Jahresdurchschnitt das Doppelte bis Dreifache des üblichen Marktpreises. Zusätzlich bekommt der Genossenschaftsverband UROCAL 2 Dollar für Gemeinschaftsaufgaben, Sozial- und Umweltprogramme. Aus diesen Mitteln wird in Las Palmas ein kleines Gesundheitsprogramm finanziert. Zum Programm gehören au&szlig;erdem: die Einrichtung einer kleinen Apotheke, Schulungen über Hygiene, Gesundheitsvorsorge und Ernährung, Sofortma&szlig;nahmen zur Verbesserung der Trinkwasserqualität und die Einrichtung eines kommunalen Gemüsegartens. Zudem kann ein zweiter Lehrer an der Dorfschule bezahlt werden.
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Für die Kleinbauern wie David Romero bedeutet fairer Handel also (Zitat): &bdquo;Fairer Handel ist ein Instrument, das uns ermöglicht eine harmonische Entwicklung von Mensch und Natur voranzutreiben (...). Faire Preise ermöglichen eine soziale Entwicklung (...), durch die wir uns gegen die ungerechten Strukturen zur Wehr setzen und gemeinsam eine solidarische Ökonomie aufbauen können.&ldquo;
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Quelle:
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La Cosecha Mal Habida, Trabajo Infantil y obstáculos a la libertad sindival en las plantaciones bananeras de Ecuador, Informe de Human Right Watch.
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Zeitung Aktuell Banafair, Dezember 2/2002.
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Banafair, in: <a href="http://www.banafair.de">www.banafair.de</a>
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<li value="4"><p>

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Urocal, in: <a href="http://www.urocal.ec">www.urocal.ec</a>
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